Podcast selbermachen – Wie geht das?
Seit über zehn Jahren produziert Klaus Adam, der Kidspods Macher, in Bibliotheken und Schulen mit Kindern aus kleinen Geschichten Podcasts, die vor allem auf seinem Podcastportal veröffentlicht werden. Dabei geht es ihm auch darum, allen, die daran interessiert sind, einen Einblick zu vermitteln, wie Podcasts produziert werden und sie zu motivieren, selbst aktiv und kreativ zu werden und eigene Podcasts herzustellen.

Podcast – Wieso heißt das so?
Podcast ist eine typische Internetwortschöpfung. Die Silbe „Pod“ kommt vom MP3-Player iPod der Firma Apple, die Silbe „Cast“ von broadcast (engl. Ausstrahlen von Rundfunksendungen). Podcast ist eine Form der Verbreitung von Film- und Hörbeiträgen, die unabhängig von einer Sendezeit über das Internet abrufbar sind und vorzugsweise im MP3-Format (Audio) bzw. MP4-Format (Video) mit entsprechenden Playern am Computer oder mobilen Geräten genutzt werden.
Ein Podcast ist die multimediale Weiterentwicklung von Weblogs. Weblogs sind Internetseiten, auf denen Menschen alles Mögliche berichten. Podcasts beinhalten oft private Erlebnisse und persönliche Statements in Form von Audio- oder Videodateien. Allerdings werden die Möglichkeiten von Podcasts inzwischen auch von Radio- und TV-Sendern genutzt, die ihre Sendungen unabhängig von bestimmten Zeiten im Internet zum Anhören und Herunterladen zur Verfügung stellen.

Podcast – Passt das in den Unterricht?
Durch das umfangreiche und vielfältige Angebot an Podcasts im Internet haben Lehrkräfte eine Fülle von multimedialem Unterrichtsmaterial zur Hand. Podcasts sind aber nicht nur geeignet, Schülerinnen und Schülern mit interessanten Lerninhalten zu konfrontieren, die nicht aus Schulbüchern stammen. Podcasts lassen sich darüber hinaus im Unterricht einzusetzen, um aus passiven Konsumenten aktive Produzenten zu machen, die eigene Radio- und Videobeiträge verfassen. Dazu braucht es vor allem Spaß, Kreativität und ein paar gute Ideen. Ein Podcast kann aus Geschichten bestehen, die zu kleinen Hörspielen verarbeitet werden, aus Interviews oder aus multimedialen Unterrichtseinheiten, die dann wiederum anderen Klassen als Unterrichtsmaterial zur Verfügung stehen.

Podcast – Alles nur Technik?
Die technischen Voraussetzungen, die nötig sind, um einen Podcast zu produzieren, sind unkompliziert. Als Aufnahmegeräte eignen sich bessere Smartphones oder Audio- bzw. Videorecorder. Zur Bearbeitung des aufgenommenen Materials braucht man einen Computer, auf dem eine spezielle Software installiert ist. Nach der Fertigstellung werden die Podcasts auf Servern im Internet abgespeichert, von wo sie andere Internetnutzerinnen und -nutzer jederzeit abspielen und runterlasen können.
Die Produktion eines Podcasts beinhaltet für alle, die daran beteiligt sind, nicht nur einen Zuwachs an Medienkompetenz. Podcasterinnen und Podcaster müssen sich auch damit auseinandersetzen, wie sie ihre Geschichten gestalten können, damit sie für die Zuhörer interessant und unterhaltsam sind. Das stärkt sowohl die Fähigkeit, sich auszudrücken als auch die Kunst des Zuhörens.
Darüber hinaus entwickelt sich beim Produzieren von Podcasts ein dramaturgisches Gespür für Sprache und die Phantasietätigkeit wird angeregt. Das Sprechen von Moderationen oder Hörspielrollen weckt das Vertrauen in die eigenen kreativen Fähigkeiten und stärkt das Selbstbewusstsein.

Podcast – Wie entsteht ein Konzept?
Bevor Schülerinnen und Schüler anfangen, eigene Aufnahme- oder Drehkonzepte zu entwickeln, sollten sie sich einen Überblick über die Vielfalt bestehender Podcasts verschaffen. Gemeinsam oder in Kleingruppen lernen die Kinder, Podcasts im Internet zu finden. Die Lehrkraft kann hierzu die Kriterien vorgeben, zum Beispiel Qualität, Zielgruppe oder Genre (Unterhaltung, Information, Fiktion, Reportage). Wichtig ist dabei, dass Kinder lernen, Podcasts nicht nur gedankenlos zu konsumieren, sondern auch zu beurteilen und einzuordnen.
Für eine thematische Suche nutzen die Schülerinnen und Schüler Google oder andere Suchmaschinen . Außerdem gibt es verschiedene Podcast-Portale wie iTunes oder Podcast.de, die Beiträge nach Kategorien sortieren und so die Suche erleichtern.
Nachdem sich die Kinder verschiedene Podcasts angehört oder angesehen haben, werden gemeinsam oder in Kleingruppen Ideen gesammelt, worum es in den eigenen Podcasts gehen könnte. Dabei ist alles möglich. Die Ideen können mit einem gemeinsamen Thema zu tun haben, zum Beispiel „Meine Schule“ oder aus völlig unterschiedliche einzelnen Beiträgen bestehen, wie ein buntes Radio-Magazin. Die Inhalte der einzelnen Podcasts können sich auf etwas beziehen, das die Kinder im Unterricht gelernt haben, es können Sketche oder gespielte Witze sein, Talkshows, Kommentare, Traumtagebücher, zu kleinen Hörspielen umgeschriebene Geschichten und vieles mehr. Die Lehrkraft kann als Anregung auch kleine Sketche oder Geschichten mitbringen.
Im nächsten Schritt überlegen sich die Podcaster gemeinsam, wie sich ihre Idee am besten umsetzen lässt. Was soll entstehen? Ein Audio- oder ein Video-Podcast? Wieviele Sprecherinnen oder Darsteller werden für die Aufnahme gebraucht? Wer bedient die Kamera oder hält das Mikrofon, wer bedient das Aufnahmegerät? Wo soll aufgenommen werden (Dreh- oder Aufnahmeort)? Was brauche ich an Requisiten oder Hintergrundsounds? Sollen Text oder Spielszenen improvisiert werden oder soll es ein Drehbuch mit festgelegtem Text geben? Bei diesen Vorüberlegungen ist es wichtig, die technischen und organisatorischen Möglichkeiten in der Schule zu berücksichtigen, damit das Projekt einen realistischen Umfang behält.
Als nächstes geht es um die Inhalte. Dieser Teil des Produktionsprozess kann auch in kleineren Gruppen stattfinden, allerdings sollte bei jeder Gruppe ein Erwachsener – Lehrkraft oder Elternteil – dabei sein. Wenn es ein Drehbuch, eine festgelegte Handlungsabfolge, ein Hörspielmanuskript oder Ähnliches geben soll, wird zunächst schriftlich festgelegt, um was es geht. Danach muss entschieden werden, in welcher Form das, was erzählt werden soll, schriftlich fixiert wird. Dialoge werden verfasst, Moderationstexte, Kommentare, Erzählungen, Interviewfragen. Wenn die Darstellerinnen und Darsteller improvisieren sollen, muss zunächst diskutiert und ausprobiert werden, worauf es inhaltlich ankommt.
In einer kurzen Präsentation können die Kleingruppen ihre Aufnahme- oder Drehkonzepte vorstellen, geschriebene Texte mit verteilten Rollen vorlesen. So ergibt sich die Gelegenheit zum Austausch von Ideen und für eventuelle Verbesserungsvorschläge.

Podcast – Was muss ich bei der Aufnahme beachten?
Für die Aufnahmen der Podcasts werden mindestens ein Digitalrecorder, ein Videocamcorder und vielleicht ein gutes Mikrofon mit Mikrofonangel (eine teleskopartige verlängerbare Mikrofonhalterung) benötigt. Das Mikrofon mit Teleskopangel ermöglicht vor allem bei Videoaufnahmen mit größerem Abstand zum aufzunehmenden Objekt eine bessere Tonqualität als das im Camcorder integrierte Mikrofon. Je mehr Aufnahmegeräte zur Verfügung stehen, desto mehr Kinder können sich praktisch ausprobieren und in Kleingruppen parallel arbeiten. Die ersten Aufnahmen sollten allerdings gemeinsam mit allen gemacht, damit deutlich wird, worauf es beim Filmen oder bei Tonaufnahmen ankommt und auf was zu achten ist. Zu diesem Zweck sollte sich die Lehrkraft oder ein betreuender Elternteil vorher mit der technischen Handhabung der Geräte vertraut gemacht haben.
Die Produktion von Audio-Podcasts hat gegenüber der Produktion von Video-Podcasts entscheidende Vorteile. Erstens können die Sprecherinnen und Sprecher ihre Texte ablesen und es kommt allein auf die sprachliche Gestaltung an. Zweitens ist die Bearbeitung von Audio-Material auf dem Computer wesentlich einfacher als das Schneiden und Komprimieren von Video-Material. Drittens ist die Aufnahme von Audio-Podcasts auch mit größeren Gruppen unkomplizierter zu realisieren als Filmaufnahmen von größeren Gruppen.
Bei Audioaufnahmen ist es erfahrungsgemäß günstig, wenn die als Sprecherinnen und Sprecher agierenden Kinder keine langen zusammenhängenden Texte zu gestalten haben. Eine Möglichkeit, viele Schülerinnen und Schüler an der Audioaufnahme zu beteiligen, ist, die Gruppe in einen Kreis zu setzen. Das „Mikrofon-Kind“ geht reihum und hält dem Kind, das mit Sprechen dran ist, das Mikrofon entgegen. Nebengeräusche, die durch Positionswechsel oder andere Störungen entstehen, können später am Computer herausgeschnitten werden. Auf diese Art und Weise kann eine ganze Klasse an der Aufnahme beteiligt werden. Wichtig ist, dass die einzelnen Textteile, auf die es ankommt, sauber und vollständig aufgenommen werden.
Bei der Produktion von Video-Podcasts kommt es auf eine Reihe von wichtigen kamera- und aufnahmetechnischen Aspekten an. Wie eine Fotokamera verlangt auch eine Videokamera einen fotografischen Blick. Das heißt, das Gelingen eines Video-Podcasts hängt sehr davon ab, aus welcher Perspektive man was mit welchem Bildausschnitt filmt.
Ein häufiger Anfängerfehler bei Bildaufnahmen ist, dass der Kameramann den Kopf einer Person in der Mitte des Bildausschnitts fokussiert. Das Resultat: Über dem Kopf ist viel leerer Raum, dafür sind die Füße der aufgenommenen Person abgeschnitten. Am günstigsten wäre es, ein Video-Podcast-Projekt mit einem ausführlichen Video-Workshop zu verbinden, um sich mit notwendigen Grundkenntnissen im Umgang mit einer Videokamera und den filmischen Mitteln vertraut zu machen.
Podcast-Videos sind im Internet manchmal in einem relativ kleinen Bildformat zu sehen. Deshalb macht es wenig Sinn, größere Gruppen von Darstellern oder Totalaufnahmen zu filmen. Die einzelnen Takes der Video-Aufnahme sollten möglichst kurz sein. Für die agierenden Kinder ist es einfacher, nur ein paar Sekunden lang, zum Beispiel für die Dauer eines Satzes, zu agieren. Außerdem kann das Kind mit der Kamera häufiger in Ruhe eine neue Kameraposition für den nächsten Satz einnehmen. Nach dem Bearbeiten auf dem Computer erhält der Videofilm durch die häufigen Schnitte eine interessantere Dynamik als wenn er aus wenigen, minutenlangen, wackligen Einstellungen besteht.

Podcast – Was muss ich beim Bearbeiten am Computer beachten?
Die Bearbeitung von Audio- und Videomaterial am Computer ist nicht ganz ohne. Die Programme sind komplexe und umfangreiche Werkzeuge, die ein gewisses Maß an Übung verlangen. Die betreuenden Erwachsenen sollten sich deshalb im Vorfeld mit der Software auseinandersetzen.Für die Bearbeitung von Audiomaterial bietet sich das Tonbearbeitungsprogramm Audacity an. Diese Software kann man sich kostenlos aus dem Internet herunterladen. Wichtig ist, darauf zu achten, dass man sich die Version runterlädt, die zu dem Betriebssystem des Computers passt.Es gibt mehrere Audacity-Benutzer-Handbücher, in denen die Installation und die Benutzung erklärt werden.Nachdem das Audio-Material (Szenen, Texte, Geräusche) für die einzelnen Podcast-Episoden aufgenommen wurde, wird es auf den Computer überspielt. Am einfachsten ist es, alle Aufnahmen erst einmal auf eine Tonspur zu überspielen und alle überflüssigen Geräusche, Versprecher oder unbrauchbaren Sätze herauszuschneiden. Das ist relativ einfach, die Kinder können es ohne viel Übung selbst tun.Dialoge sollten dann auf zwei Tonspuren verteilt werden. Dadurch kann man die Dynamik eines Dialogs besser beeinflussen, zum Beispiel Pausen einfügen, Fragen und Antworten nahtlos aufeinander folgen oder sich die Sprecher ins Wort fallen lassen. Auf einer dritten und vierten Tonspur kommen Geräusche und atmosphärische Sounds oder auch Musik dazu. In fast allen Tonbearbeitungsprogrammen stehen eine Reihe von Effekten zur Verfügung, mit denen man seine Aufnahmen verbessern kann. Zum Schluss wird alles als MP3-Datei abgespeichert.Grundsätzlich arbeiten Videobearbeitungsprogramme genauso wie die Software für Audiomaterial. Es gibt mehrere Spuren, auf die man die einzelnen Videoszenen verteilt und mischt, mit Effekten versieht und abschließend als Datei abspeichert.Im Gegensatz zur Bearbeitung von Audiodateien sind die Gestaltungsmöglichkeiten beim Bearbeiten von Videomaterial sehr viel umfangreicher.Fertig bearbeitete Videoaufnahmen werden in der Regel im mp4-Format abgespeichert. Dabei müssen im Gegensatz zu mp3-Audiodateien einen ganze Reihe von Parametern beachtet werden, damit am Ende ein Film entsteht, der eine akzeptable Dateigröße und gleichzeitig eine zufrieden stellende Qualität hat.

Podcast – Wie kann ich meinen Podcast veröffentlichen?
Besonders Video-Podcasts sind ziemlich umfangreiche Dateien. Deshalb reicht der Speicherplatz der meisten Homepages nicht aus, um dort mehrere Podcastepisoden zum Anhören und Runterladen abzuspeichern. Es gibt aber Internet Seiten, die kostenlos genügend Speicherplatz für Podcast-Dateien zur Verfügung stellen. Auf diesen Internetseiten wird auch genau beschrieben, mit welchen Einstellungen man erreicht, dass die Dateien, die dort abspeichert werden, von anderen Nutzerinnen und Nutzern auch gefunden werden. Auf der Internetseite von podhost.de kann man sowohl Audio- als auch Videopodcasts abspeichern. Nachdem man sich bei Podhost angemeldet und registriert hat, steht einem dort jeden Monat 30 MB Speicherplatz zur Verfügung. Auch auf der Internetseite von soundcloud.com kann man seine Podcastepisoden kostenlos abspeichern. Allerdings geht das bei Soundcloud nur mit Audiodateien. Das bekannteste Portal für Videodateien ist Youtube. Wenn man mit Kindern arbeitet, sollte Youtube wegen seiner Unmengen an fragwürdigen Inhalte allerdings tabu sein. Ein qualitativ besseres Portal für Videopodcasts ist Vimeo (video.com).Um fertige Podcast-Episoden auf ein Podcastportal hochzuladen, braucht man keine besonderen Programme. Die Funktion zum Überspielen der Dateien (upload), ist in diese Internetseiten integriert. Darüber hinaus bieten die Plattformen Funktionen an, mit denen die einzelnen Podcast-Episoden editiert werden können.Natürlich lassen sich Podcast-Dateien auch in eine ganz normale Internetseite einbauen und dort abspielen. Die einfachste Möglichkeit ist, der Podcast-Episode einen Namen zu geben und diesen Namen als Text oder als Grafik auf der Homepage mit der entsprechenden Datei und dem dazugehörigen Speicherplatz zu verlinken.Ein Beispiel: Kinder der Grundschule Meinestadt haben einen Podcastsketch mit ihrem Lieblingswitz gemacht und ihm den Namen gegeben: Der Witz vom Onkel Fritz. Der Name der dazugehörigen MP3-Datei heißt: fritzwitz.mp3 und ist bei podhost.de unter dem Benutzernamen „GSmeinestadt“ abgespeichert. Dann würde der Link so aussehen:

GSmeinestadt.podspot.de/files/fritzwitz.mp3

Klickt jetzt eine Besucherin oder ein Besucher der Internetseite auf den Link, geht ein neues Fenster auf und der Podcast wird abgespielt.

Podcast – Es gibt nix Gutes, außer man tut es!Wer weitergehende Fragen hat, kann sich jederzeit an Klaus Adam, den Kidspodsmacher wenden. Am einfachsten geht das per Email:



postamt(ät)kidspods.de

 

+49 221 9322820

Aachener Straße 51  50674 Köln

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